Biopatentierung auch auf dem ökum Kirchentag ein wichtiges Thema!
Zentrale Aussage der Podiumsveranstaltung:Kirchen sollen Bauern in Fragen der Biopatentierung nicht alleine lassen
Die indische Bürgerrechtlerin, Dr. Vandana Shiva, würdigt die Arbeit des Landvolks gegen Biopatente und Biopiraterie
Biopatente auf dem ÖKT:Stand und Podium ein voller Erfolg
Bad Honnef, 18.05.2010. „Wir brauchen dringend weltweit aktive und engagierte Menschen, die sich gegen Patente auf Leben und für die Rechte von Landwirten und Verbrauchern einsetzen“. Das sagte die indische Bürgerrechtlerin und Trägerin des alternativen Nobelpreises, Dr. Vandana Shiva bei einem gemeinsamen Forum der kirchlichen Erwachsenen- und Jugendverbände auf dem ökumenischen Kirchentag am letzten Wochenende in München. Patente auf Saatgut, auf Pflanzen und auf Tiere sind abzulehnen, darüber waren sich die kirchlichen Vertreterinnen, Bettina Locklair und Dr. Maren Heincke mit der indischen Nobelpreisträgerin einig.
Aus eigener Betroffenheit verdeutlichte Rudolf Bühler, Leiter der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall, was mit dem von Monsanto beantragten Patent auf eine Zuchtmethode bei Schweinen auf dem Spiel steht. „Unsere Familie betreibt seit Jahrhunderten erfolgreich die Zucht einer vor dem Aussterben bedrohten Schweinerasse. Mit der angestrebten Patentierung verfolgen multinationale Unternehmen ein ganz neues Vermarktungskonzept, das, wenn es tatsächlich anwendbar würde, das Aus für unsere Schweinezuchtbetriebe bedeutet.“ Er hoffe, dass sich die Kirchen klar und eindeutig gegen derartige lebensfeindliche Praktiken aussprechen.
"Wem gehört die Schöpfung?“, diese Frage stellten die Veranstalter auch auf einem gemeinsamen Stand, der seitens der Kirchentagsbesucher auf großes Interesse stieß. Hier gab es die Möglichkeit, sich detaillierter mit der Problematik zu beschäftigen. Bestens informiert zeigte sich u.a. der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Dr. Gebhard Fürst, der dem Landvolk für sein Engagement in Fragen der Biopatentierung ausdrücklich dankte.
Im Rahmen eines vom Internationalen Ländlichen Entwicklungsdienst (ILD) initiierten Projektes setzen sich die kirchlichen ländlichen Erwachsenen- und Jugendverbänden seit mehr als zwei Jahren in zahlreichen Informations- und Bildungsveranstaltungen europaweit mit der Thematik auseinander.
Die Patentierung von Saatgut habe unter anderem zur Folge, dass dessen Preis steige, der Züchtungsfortschritt gehemmt werde und Monopolrechte für wenige große Konzerne entstünden, erläuterte Dr. Vandana Shiva. „In Indien tauschen 80 Prozent der Landwirte ihr Saatgut untereinander und sichern so ihren Anbau und die Weiterzüchtung, was aber immer schwieriger wird“, sagte sie. Viele Bauern kauften teures patentiertes Saatgut, wodurch sie bei schlechten Ernten ihre Existenz aufs Spiel setzten, da sie das Saatgut in der Regel nur auf Kreditbasis kaufen könnten. Dr. Shiva zu den dramatischen Folgen: „Seit der Einführung des verteuerten gentechnisch veränderten und patentierten Baumwollsaatgutes haben Tausende von Bauern Selbstmord begangen“.
Der Einsatz der indischen Nobelpreisträgerin bestärkt die kirchlichen Verbände in ihrem Engagement. Auf politischer Ebene geht es nun vor allem darum, zu erwirken, dass das europäische Patentrecht die Patentierung von Pflanzen und Tieren eindeutiger verbietet.